Im folgenden kleinen Lehrerblog 1 gönne ich mir den Luxus, eine bildungsrelevante Frage aus meinem eigenen beruflichen Umfeld ( = Schule) zu beantworten.

Kann man mit grösseren Klassen nicht trotzdem gut unterrichten?

Zwar kann der Unterricht auch mit über 25 Kindern funktionieren, wenn es sich um pflegeleichte Schülerinnen und Schüler handelt, die den Frontalunterricht gewöhnt sind. Manchmal ist aber schon eine Klasse mit 15 Schülern zu gross, wenn ein Teil davon überdurchschnittliche Betreuung benötigt. Dies trifft oftmals zu, wenn die Schule als Elternersatz wahrgenommen wird.

Viele Eltern delegieren unangenehme Erziehungsaufgaben an die Lehrkräfte.

Der Bildungsökonom Stefan Wolter empfiehlt grössere Klassen als geeignete Sparmassnahme. "Sie wirken sich nicht negativ auf  die Schülerleistungen aus" erklärt er im "Tages-Anzeiger v. 2.12.2013". Dieser "Ökonom" vergisst den komplexen Alltag an den Schulen. In grossen Klassen ist zum Beispiel die Möglichkeit der mündlichen Beteiligung eingeschränkt. Zudem ist es für uns Lehrpersonen schwieriger in grossen Klassen ein "Wohlfühlklima" aufzubauen. Viele ehemalige Schüler (= Bürger) vergessen immer wieder, dass die moderne Lehrkraft ihre Lehrziele nicht predigt, sondern zusammen mit den SchülerInnen erarbeitet und in spannenden Sequenzen übt und nochmals übt ...

Blog von Guido Sauter, Gymnasiallehrer
Februar 2014