Pflanzenschutzmittel auf der Basis von Neonikotinoiden gefährden die Bienen

Bei den Neonikotinoiden handelt es sich um nikotinähnliche Insektizide, die als Kontakt- und auch als Frassgift wirken können. Bei Insekten wirkt diese Stoffgruppe wie der Neurotransmitter Acetylcholin am nikotinischen Acetylcholinrezeptor der Nervenzellen (Neurotoxine). Sie werden über die Wurzeln aufgenommen und in die Blätter transportiert, die dann vor beissenden und saugenden Insekten geschützt sind. Deshalb werden sie auch als Saatgutbeizmittel verwendet. Verglichen mit früher verwendeten Pestiziden aus der Familie der Organophosphate und Carbamate zeigen sie eine geringere Toxizität, was allerdings nicht für einige Abbauprodukte der Neonikotinoide gilt. Beispielsweise ist Imidacloprid bereits in besonders niedrigen Dosen (im Bereich Nanogramm und Pikogramm) wirksam, die Ausbringungskonzentrationen liegen bei 50 bis 140 g/ha.

Da die Wirkstoffe in der Pflanze nur langsam abgebaut werden, hält deren Wirkung längere Zeit an. Die Entwicklung der Nikotinoide geht auf Arbeiten von Shell (1980) und Bayer (90er-Jahre) zurück. Imidacloprid gehört zu den bienengiftigsten Insektiziden. Die akute toxische Dosis oral (LD50) variiert zwischen 0.005 Mikrogramm/Biene und 0.07 Mikrogramm/Biene. Zum Vergleich: Bei dem Organophosphat Dimethoat liegt sie bei 0.152 Mikrogramm/Biene und bei dem Pyrethroid Cypermethrin bei 0.160 Mikrogramm/Biene.

Die EU-Mitgliedstaaten haben beschlossen, ab Dezember 2013 den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Pflanzen zu verbieten, die für Bienen attraktiv sind und die Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam aus der Familie der Neonikotinoide enthalten. Das Verbot basiert auf  einer Untersuchung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Die schwindende Gesundheit der Bienenbestände ist eine der grössten Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft heute steht.

In der Schweiz wird nun die Bewilligung dieser Wirkstoffe zur Behandlung von Raps- und Maissaatgut neu überprüft (verantwortlich hierfür ist Dr. Eva Reinhard, Vizedirektorin am Bundesamt für Landwirtschaft), obgleich es noch vor einem Jahr in einem Prüfbericht zur Zulassung des Neonikotinoids Clothianidin hiess, dass dessen Anwendung nicht mit unannehmbaren Risiken für die Umwelt verbunden sei.

In der Schweiz starben 2012 die Hälfte aller Bienen, also rund 100'000 Bienenvölker.
Als Ursache für das Bienensterben wird neben der Schwächung durch Insektizide der Befall durch die Varroa-Milbe postuliert. Schädlich wirken sich zudem bestimmte Virusinfektionen sowie die Nahrungsmittelknappheit der Bienen aus, unter der sie häufig in der zweiten Jahreshälfte leiden.

Neonikotinoide, zu denen ausser den bereits erwähnten die Wirkstoffe Acetamprid, Thiacloprid, Nitenpyram und Dinotefuran gehören, bestreiten 24 Prozent des globalen Insektizidmarkts. Mit einem Umsatz von rund 850 Millionen Euro im Jahr 2009 war Imidacloprid das meist verkaufte Isektizid der Welt. Thiamethoxam lag damals an zweiter Stelle mit Verkäufen von 550 Millionen Euro. Der globale Markt für Imidacloprid wird von Agropages mit 18'000 bis 20'000 Tonnen pro Jahr angegeben. Chinas Produktion dürfte 12'000 bis 14'000 Jahrestonnen betragen, von denen zwei Drittel exportiert werden. Der Rest wird von Syngenta und Bayer in Europa produziert.

Der von der Syngenta entwickelte Wirkstoff Thiamethoxam war Gegenstand eines Patentstreits mit Bayer, den Syngenta 2002 mit der Zahlung von 120 Millionen US-Dollar an Bayer beigelegt und damit die weltweiten Rechte erworben hatte. Jetzt steht ein lukratives Geschäft auf dem Spiel.

Sehr geehrter Herr Dr. Georg Diriwächter (Leiter Registrierung Pflanzenschutz bei Syngenta)

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass wir Sie aufmerksam beobachten!

Link zu "Agropages"

SonntagsZeitung, S.6/Ausgabe 16.06.2013